Wo ist der ganze Atommüll geblieben?

Wo ist der ganze Atommüll geblieben? www.atommuell.org erklärt es

Die GRÜNE-Fraktion im Europaparlament hat eine neue Website gestartet - www.atommuell.org. In vier Sprachen (d, f, e, nl) klärt sie auf, wo überall in Europa eigentlich AKWs stehen, wieviel Atommüll sie produzieren und wo der angeblich hin soll.

Gorleben - damals und heute

Eine kleine Chronik der Notwendigkeit zum Einmischen

10. September 1979
In Gorleben beginnen die Tiefbohrungen.

28. September 1979
Grundsatzeinigung von Bund und Ländern zur Entsorgung von Atommüll mit Gorleben als geplantem Endlager sowie Gorleben und Ahaus als Zwischenlager.

14. Oktober 1979
150.000 demonstrieren in Bonn für die Stillegung aller Atomanlagen.

3. Mai 1980
5.000 Menschen besetzen die Bohrstelle 1004 im Gorlebener Wald und proklamieren die "Republik Freies Wendland".

30. April 1984
Wendland-Blockade. Um auf die bevorstehende Anlieferung radioaktiven Mülls aufmerksam zu machen, blockieren mehr als 6.000 Atomgegner mit Autos, Treckern, Baumstämmen alle Zufahrtsstraßen in den Landkreis Lüchow-Dannenberg.

26. April 1986
Kernschmelze im Atomkraftwerk Tschernobyl. Radioaktiver Niederschlag auch in Deutschland.

1996
Der zweite Castor-Transport nach Gorleben bringt hochradioaktiven Atommüll aus La Hague. Kosten rund 90 Millionen Mark. Überall an der Strecke Proteste.

1997, 2001, 2002, 2003, 2004, 2005, 2006
Castor-Transporte nach Gorleben.
Einsatz von weit mehr als 100.000 Polizisten gegenüber 100.000 Demonstranten.

Mitmachen - Einmischen in die atompolitische Debatte

Und zwar erstmal von einer unangenehmen Seite: Die Stromkonzerne machen seit Monaten eine vehemente PR-Kampagne für den ach so umweltfreundlichen und billigen Atomstrom.

Sie wollen nach der Bundestagswahl 2009 eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten durchsetzen.

Jahrelang waren die atompolitischen Rahmenbedingungen festgeklopft. Auch GegnerInnen des von der rot-grünen Bundesregierung mit den Stromkonzernen geschlossenen so genannten Atomkonsens mussten schmerzlich anerkennen, dass dieser eine befriedende Wirkung auf den gesellschaftlichen Großkonflikt um die Atomkraft hatte - ohne dass dabei allerdings irgendeine Art von Atomausstieg zustande kam.

In der aktuellen Legislaturperiode sollten eigentlich die vier Alt-Reaktoren Biblis A und B, Neckarwestheim 1 und Brunsbüttel vom Netz, aber da sich im Atomkonsens das Ende eines AKW nicht an seinen Betriebsjahren, sondern an der Menge des produzierten Atomstroms bemisst, war es für die Stromkonzerne ein Leichtes, ihre maroden Meiler über die Wahl 2009 zu retten.

Nach der Bundestagswahl wird es spannend: Denn irgendwann ist auch bei noch so kreativem Laufzeiten-Management der Punkt erreicht, an dem die im Gesetz festgelegten "Reststrommengen" produziert sind.

Ökostrom der Energiewerke Schönau aus dem Schwarzwald ist in vielen Regionen im "Ländle" schon preisgünstiger als EnBW-Atom- und Kohlestrom.

Erstaunlich ehrlich wurde jetzt Angela Merkel in der Debatte um die Frage, wie es nach dem Desaster in der Asse in Sachen Atommüll-Entsorgung weitergehen soll. Die Kanzlerin erklärte, sie habe "keine Lust weitere Milliarden auszugeben", um nach einer Alternative für Gorleben zu suchen.

Viel Bewegung also im Streit um die Atomkraft. Und entsprechend viel Bewegung auf den Straßen und Schienen des Wendlandes ist nötig, um den für 2009 erwarteten Machtkampf um die Laufzeiten offensiv zu beginnen. Es braucht nicht mehr und nicht weniger als eine neue Anti-Atom-Bewegung, die bei den Castor-Protesten ihren Ausgang nimmt. Für die Öffentlichkeit wird Gorleben zum Gradmesser dafür, wie die neue Debatte um die Atomkraft von der Bewegung aufgenommen wird. Da ist eine klare Antwort sinnvoll.

Die Demo ist thematisch ganz bewusst nicht auf das Atommüll-Problem reduziert, sondern soll alle ansprechen, die den neuen Kampf um die Atomkraft aufnehmen wollen.

Am Mittag des 8.11. erreicht, in Lüneburg kommt der Zug möglicherweise in den Morgenstunden des 9.11. an, braucht dann erfahrungsgemäß den ganzen Tag, um die 50 km bis Dannenberg zu kommen, dort werden dann die Nacht über die diesmal elf Behälter auf Straßen-Tieflader umgeladen. In den frühen Morgenstunden am Montag, den 10.11. soll dann der Strassentransport über die letzten 20 km von Dannenberg bis zur Gorlebener Castor-Halle stattfinden.

X-tausendmal quer plant gemeinsam mit anderen Gruppen ab Sonntag 9.11. eine große Blockadeaktion in Gorleben. Bei der ewig neuen Frage, ob der Castor besser auf der Schiene oder der Straße aufgehalten werden soll, gab es diesmal eine klare Präferenz für die Straße, weil mit vielen Menschen gerechnet wird, die sich zum ersten Mal beteiligen wollen. Auf der Straße ist die "Schwellenangst" einfach geringer. Es geht schon am Sonntag los, weil da noch viel Polizei an der Schiene gebunden ist.

Wichtig ist, dass es nach den Castor-Protesten weitergeht, dass viele die Aktionen im Wendland als Auftakt verstehen, um in den nächsten anderthalb Jahren der Offensive der Atomlobby so viel entgegenzusetzen, dass sich die Parteien nach der Wahl 2009 nicht an Laufzeitverlängerungen herantrauen, sondern wieder ernsthaft über einen Atomausstieg diskutiert wird, der diesen Namen wirklich verdient.