Forstwirtschaftliches Lehrstück im Nossener Stadtwald?
Montag, 7. Februar 2011
Machen auch in Nossen Fördermittel die Kommunalpolitik blind für die Natur? - Ein Erlebnisbericht
Nacht und Nebel
Vor knapp drei Wochen rückte im Nossener Stadtwald schweres Gerät an. Eine Straßenbaufirma begann, einen alten Forstweg mit rabiater Maschinengewalt in eine schlammige 3,5 m breite Forststraße zu verwandeln. Fragwürdig ist dies unter anderem, da diesem Weg teilweise der bergbauliche Lehrpfad der Bergbaufreunde „Grube Vereinigt Feld“ e.V. folgt.
Die Aktion erfolgte fast in einer Nacht- und Nebelaktion. Nicht einmal unser Stadtrat Peter Wunderwald war unterrichtet. Ich selbst habe von dieser Aktion durch einen Artikel in der SäZ vom 4. Februar erfahren.
Dieser Zeitungsbericht und die damit verbundene Information der Bevölkerung waren wohl erst einmal ausschlaggebend dafür, dass weitere Baumaßnahmen durch die Stadt Nossen vorerst gestoppt wurden. Nichts ist bei solchen Aktionen unbeliebter als die Öffentlichkeit.
Trübe Aussichten vor Ort
Stadtrat Peter Wunderwald und ich hatten einen Ortstermin vereinbart. Was wir da sehen mussten, war doch sehr fragwürdig.
Hier soll ein Waldgebiet mit vereinzelten Fichtenbeständen auf einer Fläche in Hanglage von gerade einmal 13 ha ökologisch umgebaut werden. Eine Begründung für die schon erfolgte eilige Fällung einiger Fichten scheint Borkenkäferbefall zu sein. Borkenkäferberfall ist jedoch nur in Fichtenmonokulturen ein wirkliches Problem. Die im Nossener Stadtwald schon gefällten Fichten liegen allerdings immer noch völlig ungeschält im Wald herum.
Der Fichtenbestand ist ohnehin kärglich. Für lediglich 400 Festmeter sollen nun eine Forststraße und rechtwinklig abgehend ca. 30 Rückegassen angelegt werden. Nötig sind solche Maßnahmen nur wenn mit Vollerntemaschinen in Fichtenplantagen gearbeitet werden soll. Hier wird aber mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Ein Harvestereinsatz ist hier nicht nur fragwürdig sondern auch aus ökonomischer Sicht nicht sinnvoll.
Ganz nebenbei könnte beim Forstwegebau ein Teil der historischen Hinterlassenschaften des Bergbaus in Sachsen samt archäologischer Bodendenkmale zerstört werden.
Im Dunkeln tappen
Ich frage mich, warum das alles sein muss? Sind hier vielleicht Begehrlichkeiten auf Fördermittel für Waldumbau geweckt worden? Der Nossener Stadtwald ist teilweise deckungsgleich mit dem FFH-Gebiet „Oberes Freiberger Muldetal“ und dem europäischen „Vogelschutzgebiet Täler in Mittelsachsen“. Man könnte dem Verdacht erliegen, dass das auch den ökologisch und ökonomisch eigentlich fragwürdigen Waldwegebau begründet. Denn der zu erwartende Erlös aus dem Holzverkauf für die Stadt Nossen würde nicht im Geringsten die Kosten für den Wegebau decken.
Forststraßen und vor allem Rückegassen sind auf die Lebenszeit eines Waldes anzulegen und zu unterhalten. Das sind Lasten die noch unsere nachfolgenden Generationen spüren werden. So etwas lohnt nur in einem Wirtschaftswald. Dies gibt der Nossener Stadtwald aber nicht her. Für die Stadt Nossen würden die Unterhaltungskosten der Forstwege den Erlös aus der „Forstwirtschaft“ immer wieder verschlingen.
Besonders bedenklich ist, dass die vielen Erholungssuchenden, Ausflügler und Touristen sowie die Bürger und Bürgerinnen der Region vor vollendete Tatsachen gestellt werden sollten. Tatsachen wie ein zerstückelter Wald, nicht mehr begehbare, weil nicht fachgerecht angelegte Wege, zerstörte bergbauhistorische Areale und die Erkenntnis, dass „die da oben“ sowieso machen, was sie wollen.
Fakten auf den Tisch
Die Stadt Nossen, der Bürgermeister und der Stadtrat sind nun gefragt, hier wirklich alle Fakten auf den Tisch zu legen. Vor allem die Aussage, bei der Wirtschaftlichkeit der Aktion wisse man erst nach Abschluss, was wirklich hinten raus kommt, kann so nicht wirklich ernst gemeint sein.
Oder vielleicht doch?
Andreas Vorrath
Sprecher Kreisverband Meißen






