Berlin wird grün!

Donnerstag, 10. April 2008

In den frühen Morgenstunden des 4. April 2008 diesen Jahres sammelte sich eine bunt gemischte Gruppe junger und alter Menschen am Bahnhof Neustadt in Dresden. Ihr Ziel: Zusammen mit den Kreisverbänden Meißen und Riesa-Großenhain zu einer zweitägigen Fahrt in die Bundeshauptstadt aufzubrechen. 

Kurz nach um sieben erreichte uns der Bus aus Meißen, um den Großteil der Teilnehmenden am Neustädter Bahnhof in Dresden einzusammeln. Kleinere Begrüßungsreden wurden gehalten, gezählt ob auch ja keiner fehlt und schon ging es los, Richtung Berlin. In vorgesehener Zeit erreichten wir unseren ersten Stopp: den Deutschen Bundestag. Da wir außerhalb der Plenarwoche anreisten, wurden wir nicht das Publikum hitziger Bundestagsdebatten, sondern erlebten einen nicht weniger hitzigen Vortrag vom Besucherinnendienst. Dieser vermittelte gute Einblicke in die Historie und die Aufgabengebiete des Parlaments.

Danach trafen wir auf die grüne Bundestagsabgeordnete Monika Lazar. In einem einstündigen Gespräch beantwortete sie freundlich und geduldig, jede noch so heikle Frage nach ihrer Befähigung zur Bundespolitikerin, aber auch nach dem alltäglichen politischen Geschäft. Zum Abschluss fuhren wir mit ihr auf das Dach des Bundestages. Dort wurde die Gruppe zusammen mit Monika fotografiert, sicher für viele ein schönes Andenken.

Nach dem Mittagessen im Restaurant „Der Thüringer“, trafen wir uns gestärkt zu einem Informationsgespräch im Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Nachdem wir im Kleisthaus empfangen und über die derzeitige Ausstellung "Auf Augenhöhe. Berliner Obdachlose im Portrait" von Harald Birck informiert wurden, gab es eine kleine Führung durch die Räumlichkeiten mit abschließender Präsentation über den organisatorischen Aufbau und die Arbeitsgebiete des Ministeriums.

Gegen 17:30 Uhr fand der Check In im „Ibis Hotel“ Berlin Mitte statt. Kurze Zeit später trafen wir uns im Restaurant „Alter Fritz“ zum Abendessen. Damit ging ein klassisch „deutscher“ Tag zu Ende.

Tag zwei bot mehr Abwechslung: Zum Samstagmorgen begaben wir uns auf die Spuren jüdischen Lebens in der Spandauer Vorstadt. In drei Programmteilen wurden wir durch ein Anne-Frank-Museum, die ehemalige Otto-Weidt-Blindenwerkstatt und auf die Hamburger Straße geführt. Alles in diesen Stunden drehte sich um die Shoa.

Im Anne Frank Zentrum wurde mit Hilfe von Bildern und Gegenständen das Leben der Anne Frank bis zu ihrer Ermordung im KZ 1945 parallel zu den Geschehnissen zur Zeit des Nationalsozialismus dargestellt.

In der „Otto-Weidt-Blindenwerkstatt“ bekamen die Teilnehmerinnen einen Einblick in das Leben des Werkstattbesitzers Otto Weidt, über seine aufopfernde Unterstützung gegenüber seinen jüdischen Mitarbeiterinnen sowie über Einzelschicksale der jüdischen Werkstattarbeiterinnen während des zweiten Weltkrieges.

In einer dritten und abschließenden Führung auf der Großen Hamburger Straße besuchten wir Orte jüdischen Lebens und Leidens, wie die freie Schule der jüdischen Gemeinde, aber auch das ehemalige Sammelgefängnis für Juden und Jüdinnen aus Berlin, der letzte Stopp vor der Deportation.

Zu Mittag aßen wir im türkischen Restaurant „Hasir“. Dann ging es weiter nach Potsdam.

Hier besuchten wir einen Teil des Potsdam-Museum, in dem das ehemalige Untersuchungsgefängnis der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit (BVfS) Potsdam verortet ist. Vorher nutzten es aber auch schon die Nationalsozialistinnen, sowie kurz nach dem Krieg der russische Geheimdienst. In einer ausgiebigen Führung durch die schreckenserregenden Örtlichkeiten wurden den Teilnehmerinnen Einblicke und Inhalte vermittelt, die man so bisher nur aus Filmen und Büchern kennen gelernt hatte.

Hiernach fuhren wir mit dem Bus wieder zurück nach Dresden bzw. Meißen und somit gingen zwei sehr informative und spannende Programmtage mit Bezug auf Politik, Geschichte und Kultur zu Ende.