Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus
Mittwoch, 1. Februar 2012
Wortlaut der Rede von SPD-Stadtrat Sven Böttger:
"Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz von Einheiten der Sowjetarmee befreit. Im Rahmen seiner Amtszeit hat der damalige Bundespräsident Roman Herzog 1996 den 27. Januar zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus erklärt. Es ist eine gute Tradition in unserer Stadt, dass die demokratischen Kräfte diesen Gedenktag gemeinsam begehen. Dafür möchte ich mich bei allen Mitwirkenden herzlich bedanken.
Lassen Sie mich an dieser Stelle Herrn Kaulfuß zitieren: Er sagte am Tag seiner Eintragung ins Ehrenbuch der Stadt Coswig am letzten Sonntag etwa wörtlich: Wir brauchen keine Fanatiker in dieser Zeit. Nicht in der Politik und nicht im Sport und auch sonst nicht in unser Gesellschaft.
Schaut man sich heute um in unserem Land, sieht man wie wichtig das Erinnern an das Unrecht des Nationalsozialismus ist. Die NPD-Fraktion sitzt leider schon in der 2. Wahlperiode im sächsischen Landtag und auch in unserem Stadtrat sitzt ein Vertreter dieser Partei. Von Zwickau aus war ein faschistisches Trio in unserem Land unterwegs und hat gemordet.
Das Unwort des Jahres 2011 heißt Döner-Morde.
All diese Dinge zeigen uns wie enorm wichtig es ist immer wieder zu Mahnen und zu Erinnern.
Lassen Sie mich zum Abschluß meiner kurzen Rede aus einem Buch zitieren das Rudi Müller und Heinrich Paffrath im Jahr 2004 gemeinsam herausgegeben haben.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch an Rudi Müller erinnern, der im letzten Jahr verstarb und immer ein Mahner in der Sache war, aber auch unsere Veranstaltungen ständig begleitet hat.
Unter der Überschrift Razzia gegen volksfeindliche Elemente gibt es in diesem Buch eine Absatz der zu diesem Ort hier paßt und der so nie wiederkehren soll:
Razzia gegen volksfeindliche Elemente, so bezeichneten die Faschisten eine Aktion, die sie am 5. April 1933 in Coswig starteten. Gegen 4.00 Uhr morgens donnerten Männer des SA-Sturms 2/101 unter dem Kommando ihres Sturmführers Weidendörfer mit Gewehrkolben an die Haus- und Wohnungstüren von Angehörigen des Reichsbanners, der SPD und KPD, der Gewerkschaften und des Arbeitersports und holten mit Gebrüll und Geschrei aus ihren Betten. Die SA-Leute bewaffnet mit Karabinern und Pistolen, trieben ihre Opfer im Laufschritt zur Turnhalle der Coswiger Volksschule (heutige Mittelschule Mitte). Die Verhaftungswelle erfasste auch jene Antifaschisten, die noch oder bereits wieder in den Betrieben ihre Arbeit nachgingen, sofern sie auf der Liste der Nazi-Schergen standen.
Insgesamt gab es 70 Verhaftungen und alle wurden verhört, gequält und misshandelt.
20 von ihnen worden am Abend auf der offenen Ladefläche eines LKW ins Polizeipräsidium nach Dresden verfrachtet und dort in „Polizeigewahrsam“ genommen.
So etwas soll es hier nie wieder geben.
Danke."






