Erweiterung des Biosphärenreservats Mittelelbe nach Sachsen – Chance und Impuls für die Region

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Am Montag diskutierten unsere Grünen Landtagsabgeordneten Katja Meier und Wolfram Günther gemeinsam mit Iris Brunar ((BUND Elbeprojekt) und Mandy Krebs (Koordinierungsstelle Elbradweg Süd, Tourismusverband Sächsische Schweiz e.V.) mit 20 Riesaer*innen die Möglichkeit einer Erweiterung des bestehenden Biosphärenreservates Mittelelbe nach Sachsen.

 

europaweit einmalige Flusslandschaft erhalten

Iris Brunar vom BUND stellte in ihren einleitenden Worten die Besonderheiten der Flusslandschaft Elbe heraus. Weich- und Hartholzauen, Sandbänke prägen das Landschaftsbild, sind Heimat für viele seltene Tier- und Pflanzenarten. Die größte Bedrohung liegt nach Sicht von Iris Brunar in den Versuchen die Elbe als ganzjährig nutzbare Wasserstraße auszubauen. Die Fahrrinnenvertiefungen und Verschotterungen der Uferbereiche helfen zwar die Elbe länger schiffbar zu halten haben aber weitreichende Auswirkungen auf den Hochwasserschutz und die Auenlandschaft. Neben den ökologischen Folgen stehen auch der wirtschaftliche Aufwand und Nutzen der Maßnahmen in einem immer stärker werdenden Missverhältnis.

 

Elbe als Wirtschaftsfaktor

Mandy Krebs stellte mit umfangreichen Zahlenmaterial die wirtschaftliche Bedeutung des Elbetourismus – insbesondere des Elberadwegs – dar. Sehr schnell wurde deutlich, dass sich die wirtschaftliche Bedeutung der Elbe in den letzten Jahren radikal gewandelt hat. Während die Elbe einst als Wasserstraße für den Transport von Waren große Bedeutung hatte, ist dieser Wirtschaftszweig inzwischen nahezu bedeutungslos geworden. Der Tourismus ist der neue Wirtschaftsfaktor der Elbe – und die Touristen kommen eben wegen der einmaligen und in weiten Teilen ursprünglichen Flusslandschaft. Deren Erhaltung ist also nicht nur aus naturschutzfachlicher Sicht wichtig sondern eben auch Wirtschaftsförderung.

Während für den Unterhalt der Wasserstraße Elbe jährlich Millionen ausgegeben werden und für die geplante Hafenerweiterung in Riesa rund 23 Millionen € geplant sind – mit zweifelhaften wirtschaftlichen Erfolg – wird der neue Wirtschaftszweig Tourismus geradezu stiefmütterlich vernachlässigt.

 

ganzheitlicher moderierter Ansatz eines Biosphärenreservates

Wolfram Günther erläuterte anschließend den Zweck des bereits bestehenden Biosphärenreservates und die Inhalte der Arbeit der Biosphärenreservatsverwaltung. Er stellte ausdrücklich klar, dass es nicht vordergründig um einen weiteren Schutzstatus geht – der bestehende Schutzstatus als FFH und Natura 2000 Gebiet ist schon ein sehr hoher Schutz - sondern um eine ganzheitliche Betrachtung der Elbe und um die Entwicklung einer zukunftsfähigen Perspektive mit möglichst vielen Akteuren. Die gegenwärtige Situation beim Umgang mit der Elbe ist geprägt von einem „wir machen von allen etwas“. Es wird etwas Naturschutz gemacht, etwas Hochwasserschutz, etwas Tourismus und etwas Elbausbau mit verschiedenen Zuständigkeiten und mit ungenügender Abstimmung der verschiedenen Akteure. Herauskommt ein ungenügender Hochwasserschutz, ein ungenügender Naturschutz und eine ungenügende Nutzung der wirtschaftlichen Kapazitäten der Elbe. Die Biosphärenreservatsverwaltung ist vor allem auch ein Konfliktmanager der unterschiedlichen Interessenlagen.

 

unterschiedliche Einzelinteressen bestimmen die Diskussion um die Zukunft der Elbe

In der Diskussion wurde deutlich, dass die Elbe vor allem unter dem Blickwinkel spezieller Einzelinteressen gesehen wird:

· Bürgerinitiativen die sich nach den verheerenden Hochwassern der letzten Jahre gegründet haben und deren – verständliches – Hauptinteresse ein funktionierender Hochwasserschutz für die Anwohner ist, die Funktion der Elbe wird vor allem als Wasserableiter definiert und Naturschutz eher als kontraproduktiv für den Hochwasserschutz wahrgenommen.

· weitere Anwohner, die gern an einer naturnahen Flusslandschaft leben und die Natur vor ihrer Haustür haben wollen und um ihre Idylle fürchten wenn die Elbe weiter als Wasserstraße ausgebaut und Hafenanlagen erweitert werden sollen.

· Interessen der Binnenschiffer, die eine möglichst ganzjährige Beschiffbarkeit der Elbe möchten und dafür braucht es neue Staustufen und Ausbaggerungen der Fahrrinne.

· Naturschützer die die Einmaligkeit und Artenvielfalt der Landschaft erhalten möchten und jegliche Regulierungen und Eingriffe vermeiden möchten.

· Tourismusverbände die den Spagat zwischen unberührter Natur und touristischer Erschließung und Infrastruktur probieren.

· und Landwirte deren Böden an der Elbe zu den fruchtbarsten gehören und die ihre Flächen nicht als Überschwemmungsflächen ausgewiesen sehen wollen.

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Einig wurden sich die anwesenden Gäste nicht, aber die -manchmal kontrovers geführte - Diskussion hat gezeigt, dass es ein großes Interesse der Anwohner und Nutzer an „ihrer“ Elbe gibt und dass diese Diskussion weitergehen muss und genau dass war das Anliegen dieser Diskussion. Katja Meier, die den Abend moderierte war es eben auch wichtig die Debatte um die Elbe positiv zu führen. „ Die Elbe und ihre Flusslandschaft haben ein großes Potential für die Region. Naturschutz ist kein Verhinderungsargument, sondern kann wichtige wirtschaftliche Impulse bringen. Die Erweiterung des Biosphärenreservates sollte deshalb vor allem als Chance gesehen werden.“