Nur noch 5 Prozent aller Güter im Riesaer Hafen per Schiff umgeschlagen

GRÜNE: Schiffsverkehr taugt nicht mehr als Argument für den Hafenausbau

Meier: Die aktuellen Zahlen beweisen erneut, dass der Neubaus eines KV-Terminals im Riesaer Hafen nicht gerechtfertigt ist

Dresden/Riesa. Anfang Februar präsentierte die Sächsische Binnenhäfen Oberelbe GmbH (SBO) ihren Jahresbericht 2018 und vermeldete erneut steigende Umschlagzahlen und Rekordergebnisse.

 Laut Sachsens Staatsregierung betrug der Anteil des Schiffsverkehrs beim Umschlag von Schüttgütern im Jahr 2018 gerade noch 4,3 Prozent. Per LKW wurden ca. 59 Prozent und per Bahn rund 37 Prozent der Schüttgüter umgeschlagen. Das geht aus der Antwort von Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) auf eine kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten Katja Meier (GRÜNE) zu den Umschlagzahlen im Hafen Riesa für das Jahr 2018 hervor.

Beim Containerumschlag brach der Schiffsumschlag von 3.633 (2017) auf 2.400 TEU (Twenty Foot Equivalent Unit) um fast 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Nur noch 5,5 Prozent aller Container wurden im Riesaer Hafen per Schiff transportiert, per LKW 20 Prozent und per Bahn 74,5 Prozent.

 

"Die neuen Umschlagzahlen zum Riesa Hafen sind wenig überraschend. Ich kann meine Kritik aus den Vorjahren nur wiederholen: der Hafen Riesa ist für den Schiffsumschlag völlig ausreichend dimensioniert", erklärt Katja Meier, verkehrspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. "Der überwiegend aus Steuergeldern finanzierte Neubau eines KV-Terminals (Terminal für kombinierten Verkehr) ist vor allem für mehr LKW-Transporte wichtig."

 "Die Umschlagprognose für den Neubau des KV Terminals am Hafen geht von 18 Prozent Schiffsumschlag aus. Diese Prognose ist Grundlage für den geplanten Hafenausbau und wurde von zahlreichen Einwenderinnen und Einwendern im Genehmigungsverfahren als völlig aus der Luft gegriffen, realitätsfern und Wunschdenken kritisiert."

"Die aktuellen Zahlen sind ein erneuter Beweis dafür, dass der Neubaus eines KV Terminals im Riesaer Hafen nicht gerechtfertigt ist", kritisiert die Abgeordnete. "Von Trimodalität kann man bei solchen Zahlen nicht mehr sprechen. Es geht im Kern um ein Logistikzentrum für LKW und Bahntransporte mit mindestens zusätzlichen 600 LKW-Bewegungen pro Tag mitten in der Stadt Riesa. Der ursprüngliche Hafenbetrieb, d.h. das Verladen von Gütern von und auf Schiffe, taugt nicht mehr als Alibi für die Umsetzung der Logistikzentrum-Träume der SBO."

 "Offen und ehrlich muss endlich über die Ausrichtung der Sächsischen Binnenhäfen und der Elbeschifffahrt und zwar unter ökonomischen und ökologischen Sichtweisen auf Landesebene diskutiert werden. Im Mittelpunkt muss dabei die Frage stehen, wie die Schiffstypen an die Gegebenheiten der Elbe angepasst werden können und nicht, wie der Naturraum Elbe an die Schiffe angepasst werden kann. Zudem muss über die zukünftigen Aufgaben der Elbehäfen diskutieren werden, die eben nicht an einer Hauptwasserstraße liegen, sondern an einer nur eingeschränkt schiffbaren Nebenwasserstraße. Die Ausbaupläne der Sächsischen Häfen gehören auf den Prüfstand. Im nur 15 Elbkilometer von Riesa entfernten, für 3 Millionen Euro sanierten und von der SBO betriebenen Mühlberger Elbhafen fand 2018 nicht eine einzige Verladung statt."

 

>> Antwort von Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) auf die Kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten Katja Meier (GRÜNE) 'Anteil der Güterschifffahrt am Umschlagplatz im Riesaer Hafen und Einstellung der Binnenschifffahrt in den Jahren 2014 bis 2018 an der Elbe im Bereich Riesa' (Drs 6/16349)

 >> Antwort des Wirtschaftsministeriums auf die Kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten Katja Meier (GRÜNE) 'Anteil der Güterschifffahrt am Umschlagplatz im Riesaer Hafen und Einstellung der Binnenschifffahrt in den Jahren 2012 bis 2017 an der Elbe im Bereich Riesa' (Drs 6/12214)