"Die Unachtsamkeit der letzten Jahrzehnte kommt uns nun teuer zu stehen“

Der Landkreis will seit 2019 mit einem ehrgeizigen Programm und viel Geld tausende Straßenbäume nachpflanzen. Was ist daraus geworden? Pressemitteilung der Kreistagsfraktion Grüne / SPD

Anfang 2019 beschloss der Technische Ausschuss des Landkreises Meißen den „Handlungsrahmen zum Umgang mit Straßenbegleitgrün an Kreisstraßen“. Hinter diesem sperrigen Titel verbirgt sich ein Programm des Landkreises zur nachhaltigen Wiederbegrünung von Kreisstraßen mit einem Volumen von 340 T€ in den Haushaltsjahren 2019 und 2020. Hintergrund dieses Beschlusses war ein dramatischer Rückgang von Straßenbäumen im Landkreis. In den letzten Jahrzehnten wurden viele Straßenbäume gefällt aber nur wenige nachgepflanzt. Um diesen Trend zu stoppen bzw. wieder umzukehren sollten nun „tausende Straßenbäume“ nachgepflanzt werden. Die Fraktion Grüne / SPD im Kreistag Meißen hatte eine Anfrage zum Umsetzungsstand gestellt, die nun beantwortet wurde.

„Ein typisches Merkmal der Kulturlandschaft unseres Landkreises waren von Obstbäumen gesäumte Landstraßen. Straßenbaumaßnahmen, Ackerfurchen bis an den Straßenrand, riesiger Streusalzeinsatz in den Wintermonaten, Überalterung und jüngst die zunehmende Trockenheit haben viele Bäume so geschädigt, dass sie gefällt werden mussten. Von Bäumen begleitete Straßen sind mitlerweile die Ausnahme und nicht mehr die Regel im Landkreis.“ so die Vorsitzende der Fraktion Grüne / SPD im Kreistag Meißen Eva Oehmichen.

Der Kleinen Anfrage http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=17784... des damaligen Landtagsabgeordneten Wolfram Günther ist zu entnehmen, dass im Zeitraum 2010 -2018 im Landkreis Meißen an Bundesstraßen 1402, an Staatsstraßen 3460 und 172 Bäume an Alleen gefällt wurden. Im gleichen Zeitraum wurden im Landkreis Meißen jedoch nur 786 Bäume an Bundesstraßen, 427 Bäume an Staatsstraßen und 71 Alleebäume nachgepflanzt. An Kreisstraßen im Landkreis wurden im Zeitraum 2008 – 2017 8473 Bäume gefällt (vgl. Vorlage 19/6/0862 im Anhang). Rechnet man diese Zahlen zusammen, sind in den letzten 10 Jahren ca. 10.000 Straßenbäume im Landkreis ersatzlos verschwunden.

„ Mit den im Programm des Landkreises bereitgestellten Mitteln konnten 2019: 290 Bäume gepflanzt werden und 2020: 426 Stück, insgesamt kosten dem Landkreis die Pflanzungen 465 T€. Die Unachtsamkeit der letzten Jahrzehnte kommt uns also teuer zu stehen und es könnte noch sehr viel teurer werden. Während eine Lückennachpflanzung im Bestand grundsätzlich möglich ist, können große Teile komplett verschwundener Straßenbäume nicht einfach so nachgepflanzt werden, weil diese dann als Neuanlage gelten und entsprechende Vorschriften angewandt werden müssen. So müssen Abstände von 4,5 – 7,5 Meter zur Straße eingehalten werden, was in der Regel bedeutet, dass den Landwirten ein großer Streifen Anbaufläche verloren gehen würde. Betroffene Landwirte würden einem Verkauf sicher nur in Ausnahmefällen zustimmen und wenn doch würden sich die ohnehin schon hohen Kosten pro Baum auf ein Vielfaches verteuern. Hinzukommen durch die Trockenheit erhebliche Mehrkosten für die 3 jährige Anwachsgarantie, weil die neuen Bäume extrem viel Gießaufwand für die Firmen bedeuten.“ so Oehmichen weiter.

Eva Oehmichen: „Wir sind also noch weit davon entfernt den Trend der verschwundenen Straßenbäume wieder umzukehren und unserer Kulturlandschaft wieder ihr Gesicht zu geben. Neben der konsquenten Weiterführung dieses Programms auch in den nächsten Haushaltsjahren, braucht es vor allem jetzt ein kluges und konsequentes Reagieren bei künftigen Straßenbaumfällungen. Gerade die Trockenheit der letzten Jahre hat starke Schäden bei den ohnehin schon gestressten Straßenbäumen verursacht. Dort wo Fällungen notwendig sind müssen unverzüglich Nachpflanzungen im Bestand erfolgen, um später teure und praktisch kaum noch umsetzbare Neuanlagen von Straßenbepflanzungen zu vermeiden. Auf Bundes- und Europaebene brauchen wir eine Änderung der Agrarförderung, so dass zukünftig Bäume und Sträucher auf landwirtschaftlichen Nutzflächen nicht mehr aus der Förderung herausgerechnet werden, sondern den Landwirten der Erhalt dieser Landschaftsbestandteile als Beitrag zum greening angerechnet wird. Wir müssen - gerade auch angesichts des Klimawandels - um jeden einzelnen Baum kämpfen, Baumfällungen dürfen nicht pro forma genehmigt werden, sondern nur in begründeten Ausnahmefällen erfolgen und wir brauchen auf kommunaler Ebene wieder einen Baumschutz der diesen Namen auch verdient.“