Eine kurze Geschichte vom Wald

Es sind ja immer nur ein paar Bäume. Und die Maßnahme ist alternativlos. Irgendwie muss man ja bauen. Bauen ist wichtig. Wichtiger als ein paar Bäume, ein paar Mieter, ein paar Umweltschützer und ein paar Tiere. Muss das so sein?

Eine förmliche Notiz über Baumfällarbeiten, eine Menschenkette, das Gefühl etwas bewegt zu haben. Toll! Direkt darauf Kettensägen, Fakten schaffen und eine hinterhergeworfene Erklärung, dass es so schon das Beste ist. Die einzige Möglichkeit.

So klingt die kurze, laute und ernüchternde Geschichte um das kleine Wäldchen zwischen Spitzgrundmühle und den Häusern der Moritzburger Straße. Nachdem ein Aushang der WBV Baumfällarbeiten angekündigt hat, kam plötzlich Bewegung in eine Sache, die eigentlich schon durchgeplant und beschlossen war: Die Verbreiterung der Zufahrtsstraße und Verlegung und der Neubau von Parkplätzen entlang der Moritzburger Straße 79.

Dafür muss der Wald ein Stück weichen. Der Wald wurde dazu auf dem Papier umgewidmet, ein Ausgleich dafür wird bei Zeithain geschaffen. Okay, Flächenmanagement ist kompliziert, aber so richtig befriedigend ist dieser Ausgleich für die Coswiger vor Ort vielleicht nicht. Geschenkt. Wie weit wird denn gerodet? Je nachdem, wen man fragt, zwischen 2 und 15 Meter. Es ist schwer dazu öffentlich zugängliche Informationen zu bekommen. Überhaupt soll nicht allzu viel an die Öffentlichkeit. Bürger in der direkten Nähe solcher Maßnahmen sind schnell wütend. Da ist es natürlich geschickt, Fakten zu schaffen, die kurze Welle der Empörung auszuhalten und dann wieder mit dem Tagesgeschäft weiter zu machen.

Man hätte natürlich auch eine Einwohnerversammlung dazu anbieten können, die Notwendigkeit erläutern, die Ausgleichs- und Umweltschutzmaßnahmen erklären und Vorschläge aus den Reihen der Mieter oder entsprechender Vereine aufnehmen können. Aber was das gekostet hätte.

Dann hätte man sicher auch nicht erst kurz vorher vom Grünen Stadtrat Thomas Werner-Neubauer erfahren, dass man theoretisch von März bis September keine Bäume fällen darf. Aber für so was gibt es ja Sondergenehmigungen, mit denen man den ganzen Umweltquatsch "maßvoll" umgehen kann.

Jetzt ist ein erfreulich schmaler Streifen gerodet, die Bauarbeiten werden bald losgehen und die Breite des Weges und die Anzahl der Parkplätze wird allen gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Es kehrt Ruhe ein. Und in Ruhe kann die weitere "maßvolle" Bebauung des Wäldchens - das auf dem Papier keines mehr ist - geplant und zügig umgesetzt werden. Genau wie im Entwurf des Flächennutzungsplan vorgesehen. Der liegt übrigens bald wieder aus, Beteiligung erwünscht!

Bitte nicht falsch verstehen: Es gibt viele richtige und wichtige Baumaßnahmen, die Eingriffe in die Natur nötig machen. Wir wünschen uns aber, dass wir die Entscheidungen verstehen können, nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden und der Umweltschutz nicht nur als Störfaktor gesehen wird. Denn er ist wichtiger Bestandteil jeder Baumaßnahme, um unser Leben hier in 5, 10 und 100 Jahren noch lebenswert zu machen. Auch wenn es Geld kostet. Sonst wird es später teuer. Wie erklärst Du das deinem Kind?