Umschlagszahlen im Riesaer Hafen 2020 deutlich gesunken

Entgegen den Erwartungen der SBO und trotz teilweiser guter Schiffbarkeit der Elbe schlug 2020 doch nicht die „Stunde der Schiffe im Riesaer Hafen“

2020 hätte ein gutes Jahr für die Binnenschiffahrt auf der Elbe sein können. Während die Elbe 2019 an 229 Tagen nicht für die Binnenschiffahrt nutzbar war, wurde die notwendige Fahrrinnentiefe 2020 nur an 55 (Elbstrecke 3: Riesa-Elstermündung) bzw. 74 (Elbstrecke 2: Dresden-Riesa) Tagen unterschritten. Entsprechend euphorisch klangen dann auch die Meldungen der Sächsischen Binnenhäfe Oberelbe (SBO) zu den Umschlagszahlen im Riesaer Hafen. „Jetzt schlägt die Stunde der Schiffe“ titelte die lokale SZ am 20.03.2020 und zitierte im Mai den SBO Geschäftsführer es: "… seien im ersten Quartal 2020 fast 20 Prozent mehr Güter umgeschlagen worden als im selben Vorjahreszeitraum. Der Anteil der Verladungen per Schiff habe sich dabei gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt." (SZ Riesa: 05.05.2020)

Die Antwort auf eine Kleine Anfrage des Grünen Landtagsabgeordneten Thomas Löser zu den Umschlagszahlen der Sächsischen Binnenhäfen zeichnet am Jahresende jedoch ein ganz anderes Bild: Der Gesamtumschlag von Schüttgütern im Hafen Riesa fiel 2020 um 16 % auf 1.035.233 t (2019: 1.236.702 t) und der Containerumschlag um 18 % von 44.343 TEU (2019) auf 36.430 TEU in 2020. (TEU = 20 Fuß Standartcontainer)

 

Dazu erklärt Volker Herold, Sprecher des Grünen Kreisverbandes Meißen:

Der niedrige Anteil des Schiffsumschlages 2020 im Hafen Riesa ist allerdings weder mit Corona, nicht mit zu geringen Umschlagskapazitäten, noch mit mangelnder Schiffbarkeit der Elbe in der Region zu erklären. Die regional gute Schiffbarkeit der Elbe führte leider nicht zu einem höheren Anteil des Schiffsverkehrs am Gesamtgüterumschlag. Beim Containerumschlag kann man sogar fast von einer Halbierung des Umschlages von und auf Schiffe sprechen (2020: 1387 TEU, 2019: 2443 TEU), er entspricht nur noch 3,8 % des gesamten Containerumschlages, 96 % aller Container werden also per Bahn oder LKW umgeschlagen. Beim Güterumschlag gab es ein leichtes plus beim Schiffsumschlag von 44.929 t auf 54.285 t im Riesaer Hafen, allerdings liegt auch hier der Anteil der Schiffe bei gerademal noch 5,2 % (2019: 3,6 %).“

 

Auch wenn in unserer Region die Schiffe genug Wasser hatten, lag auf der Elbestrecke 4 von der Elster- bis zur Saalemündung die Fahrrinnentiefe an 208 Tagen unter 1,40m. Das schwächste Glied in der Kette gibt also den Ausschlag, da die Schiffe ja nicht nur in Sachsen hin und her fahren wollen, sondern in Richtung Hamburg. Da ist dann, wie die 2020 Zahlen zeigen, die bessere Befahrbarkeit der Strecken E2 und E3 nicht relevant. Transport benötig Verlässlichkeit und Planbarkeit und die ist an der Elbe schlicht nicht gegeben.“

 

Die derzeit ausliegenden Planungsunterlagen für das geplante neue Containerterminal im Riesaer Hafen begründen den rund 24 Millionen € teuren Neubau mit zu erwartenden großen Steigerungsraten beim Conatinerumschlag. So sollen ab 2022, also bereits im nächsten Jahr, 68.000 TEU an Containern umgeschlagen werden, davon 13.452 TEU Container von und auf Schiffe, 2030 sollen es bereits über 18.000 TEU nur beim Schiffsverkehr sein . Wie diese Verzehnfachung zu den tatsächlichen Zahlen von 2020 und eine deutlich erhöhte Steigerung des Schiffsumschlages am Gesamtumschlag auf 18 % erfolgen soll bleibt das gut gehütete Geheimnis der SBO. Wenn selbst ein Jahr mit rund 300 regional gut schiffbaren Tagen den Anteil des Schiffsverkehrs bei rund 5 % stagnieren lässt, werden solche Prognosen zur Farce und rechtfertigen keinen Neubau an diesem Standort, mitten in der Stadt, der fast ausschließlich dem LKW und Bahnverkehr dienen und nur noch dem Namen nach ein Hafen wird.“