Unterrichtsversorgung im Landkreis Meißen – GRÜNE: Die Personaldecke an den Schulen ist nicht nur dünn, sie hat bereits Löcher

Zais: An jeder sechsten Schule ist der lehrplanmäßige Unterricht nicht vollständig abgesichert

Dresden. "Die Folgen des Lehrermangels werden an den Schulen Sachsens immer deutlicher spürbar. Es gelingt bereits auf dem Papier an jeder sechsten Schule nicht mehr, zumindest den Grundbereich und damit die Stundentafel vollständig abzusichern. Die Personaldecke ist nicht nur dünn, sie hat bereits Löcher", kritisiert Petra Zais, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, nach Sichtung der Antworten von Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) auf ihre Kleinen Anfragen zur aktuellen Personalsituation an sächsischen Schulen in allen Landkreisen und kreisfreien Städten.

Landesweit ist der Grundbereich an etwa 15 Prozent der Schulen nicht vollständig abgedeckt, im Landkreis Meißen sind es sogar 19 Prozent (16 von 84 Schulen). Bei den Schularten sind es die Förderschulen, in denen die planmäßige Absicherung des Unterrichts am seltensten gelingt. So sind auch im Landkreis Meißen alle acht Förderschulen von einer unzureichenden Personalzuweisung betroffen. Aber auch an Grundschulen (7 von 43 Schulen = 16,3 Prozent ohne vollständige Abdeckung des Grundbereichs) und Oberschulen (eine von 21 Schulen = 4,8 Prozent) gibt es Engpässe.

Ein Stundenpool in Verantwortung des Schulleiters, wie er noch vor einigen Schuljahren üblich war, um auf kurzfristige Ausfälle reagieren zu können, steht in keiner der fünf Regionalstellen der Sächsischen Bildungsagentur (SBA) mehr zur Verfügung, auch in Dresden nicht. Und selbst der Ergänzungsbereich kann vielerorts kaum mehr für Entlastung sorgen – vom Vorhalten zusätzlicher Bildungsangebote, für die diese Stunden eigentlich gedacht sind, ganz zu schweigen. So musste im laufenden Schuljahr an 25 Schulen im Landkreis Meißen (29,8 Prozent) vollständig ohne Ergänzungsbereich geplant werden, so etwa an allen Förderschulen im Kreisgebiet.

Kultusministerin Kurth zeigt sich dennoch überzeugt, >>dass das verfügbare Arbeitsvermögen in den Schularten Grund- und Oberschule, Gymnasium sowie berufsbildende Schule ausreicht, den Grundbereich abzusichern<< – die Lücken an den Förderschulen sind offenkundig bekannt, finden aber keine gesonderte Erwähnung. Dabei bezieht sich die angenommene vollständige Unterrichtsabsicherung auf die Betrachtung der Gesamtsituation der Regionalstelle Dresden. Rechnerisch, also auf dem Papier, sei demnach alles im Lot. >>Ableitungen zur tagaktuellen Situation an den Schulen sind aus den Daten nicht möglich<<, heißt es in der Antwort der Ministerin.

"Ich kann nicht nachvollziehen, warum die Lücken in der Unterrichtsversorgung noch immer schöngerechnet werden", erklärt die Abgeordnete Zais. "Eine nur theoretische Absicherung des Unterrichts hilft den Schulen nicht weiter. Die notwendige Konsequenz ist klar: Wir brauchen mehr Lehrkräfte. In den anstehenden Haushaltsberatungen müssen mehr Stellen geschaffen werden. Aufgrund zu weniger ausgebildeter Lehrkräfte braucht es außerdem mehr Anstrengungen im Bereich der Fort- und Weiterbildung. Die vielen Seiteneinsteiger an sächsischen Schulen, deren Zahl weiter steigen wird, verdienen eine faire Chance und eine gute Perspektive."

"Der Freistaat fährt mit seinem Personal auf Verschleiß, und zwar zu Lasten der Lehrerinnen und Lehrer in den Schulen. Auch Finanzminister Prof. Georg Unland (CDU) sollte klar sein, dass sich die Lücken in der Unterrichtsversorgung nicht allein mit 'Personalmaßnahmen' wie Versetzungen und Abordnungen stopfen lassen. Ich hoffe sehr, dass es mit dem neuen Haushalt ein Einsehen gibt und Kultusministerin Kurth im Kabinett erfolgreich mehr Lehrerstellen durchsetzt."

>> Antworten von Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Petra Zais (GRÜNE): "Aktuelle Personalsituation an den allgemein- und berufsbildenden Schulen der SBA-Regionalstelle Dresden" (Drs 6/4491):
http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=4491&dok_art=Drs&leg_per=6&pos_dok=1

Besonders stark von einer unzureichenden Personalzuweisung betroffen sind demnach folgende Schulen im Landkreis Meißen:

  • Afra-Grundschule Meißen, Meißen (Grundbereich (GB): 93, Ergänzungsbereich (EB): 0)
  • Grundschule Naustadt, Klipphausen (GB: 94, EB: 0)
  • Anne-Frank-Schule Radebeul, Radebeul (GB: 83, EB: 0)
  • Schule "Lichtblick" Riesa, Schule für geistig Behinderte, Riesa (GB: 93, EB: 0)